Flucht – Fluchthilfe
Die letzte Brücke in die Freiheit – die Brücke von Andau
Mit der Niederwerfung des Ungarnaufstandes, beginnend am 4. November 1956 durch sowjetische Truppen, flohen rund 200.000 Flüchtlinge vor Gewalt, Repressionen und dem kommunistischen Regime über die Grenze nach Österreich. Da die Grenzen zunehmend undurchlässiger bzw. ab dem 7. November vollkommen geschlossen wurden, war der Weg durch das sumpfige Gebiet des Hanságs eine der letzten Möglichkeiten, aus Ungarn zu fliehen.
Zum Hotspot des Flüchtlingsstroms wurde zunehmend Andau, die Flüchtlinge kamen sowohl aus dem Osten bei St. Johann/Jánossomorja als auch aus dem Süden über den Einser-Kanal. Etwa 11 km von Andau entfernt führte eine kleine Holzbrücke über den Einser-Kanal, der die Grenze zwischen Österreich und Ungarn bildete. Diese Brücke hatte den örtlichen Bauern bis zum Ende des 2. Weltkrieges dazu gedient, aus dem benachbarten Ungarn Produkte wie Holz oder landwirtschaftliche Güter zu transportieren oder die dort gelegenen Wiesen und Äcker zu bestellen. Mit dem Beginn der Flüchtlingswelle rückte diese kleine Brücke in den Fokus der Weltöffentlichkeit.
Schlepper aus den benachbarten ungarischen Grenzdörfern, sowie gewerbsmäßige, führten die Flüchtenden durch das sumpfige Gelände, das von schweren Fahrzeugen der Grenzbehörden nicht befahren werden konnte, zur Brücke. Am 21. November sprengten Grenzbehörden und sowjetische Soldaten die Brücke von Andau. Trotzdem kamen täglich immer noch hunderte Flüchtlinge, fast ausschließlich nachts, über die Grenze, teils über die gesprengte Brücke, teils durchwateten sie den Einser-Kanal, teils überquerten einige den Kanal mit Booten oder Flößen. Die Flucht wurde dadurch erschwert, dass Grenzposten die Grenze verstärkt bewachten und auf die Flüchtlinge geschossen wurde.





