Flucht – Fluchthilfe

Die letzte Brücke in die Freiheit –
die Brücke von Andau

Der Weg der Hoffnung und der Tränen

Symbol der Menschlichkeit –
Hilfe in Andau

Nationale und internationale Hilfe und Solidarität

Flüchtlingsschicksale

Genese eines Mythos

Die letzte Brücke in die Freiheit – die Brücke von Andau

Flucht über Bretter der zerstörten Brücke von Andau (© Josef Wally, Andau)

Flüchtlinge überqueren die zerstörte Brücke.
(© Josef Wally, Andau)

Mit der Niederwerfung des Ungarnaufstandes, beginnend am 4. November 1956 durch sowjetische Truppen, flohen rund 200.000 Flüchtlinge vor Gewalt, Repressionen und dem kommunistischen Regime über die Grenze nach Österreich. Da die Grenzen zunehmend undurchlässiger bzw. ab dem 7. November vollkommen geschlossen wurden, war der Weg durch das sumpfige Gebiet des Hanságs eine der letzten Möglichkeiten, aus Ungarn zu fliehen.

Zum Hotspot des Flüchtlingsstroms wurde zunehmend Andau, die Flüchtlinge kamen sowohl aus dem Osten bei St. Johann/Jánossomorja als auch aus dem Süden über den Einser-Kanal. Etwa 11 km von Andau entfernt führte eine kleine Holzbrücke über den Einser-Kanal, der die Grenze zwischen Österreich und Ungarn bildete. Diese Brücke hatte den örtlichen Bauern bis zum Ende des 2. Weltkrieges dazu gedient, aus dem benachbarten Ungarn Produkte wie Holz oder landwirtschaftliche Güter zu transportieren oder die dort gelegenen Wiesen und Äcker zu bestellen. Mit dem Beginn der Flüchtlingswelle rückte diese kleine Brücke in den Fokus der Weltöffentlichkeit.

Schlepper aus den benachbarten ungarischen Grenzdörfern, sowie gewerbsmäßige, führten die Flüchtenden durch das sumpfige Gelände, das von schweren Fahrzeugen der Grenzbehörden nicht befahren werden konnte, zur Brücke. Am 21. November sprengten Grenzbehörden und sowjetische Soldaten die Brücke von Andau. Trotzdem kamen täglich immer noch hunderte Flüchtlinge, fast ausschließlich nachts, über die Grenze, teils über die gesprengte Brücke, teils durchwateten sie den Einser-Kanal, teils überquerten einige den Kanal mit Booten oder Flößen. Die Flucht wurde dadurch erschwert, dass Grenzposten die Grenze verstärkt bewachten und auf die Flüchtlinge geschossen wurde.

„[…] Wir haben von den Flüchtlingen erfahren, dass Andau so eine Art Geheimtipp war, weil man da am leichtesten drüberkam, und zwar deswegen: also auf beiden Seiten des Einserkanals war ja sumpfiges Gebiet, saure und nasse Wiesen, dort hat man mit Fahrzeugen nicht operieren können. […]“

J. Peck, Andau

„[…] Solange die Brücke bestanden hat, ist noch einigermaßen alles ‚einfach‘ gegangen. Nach der Sprengung der Brücke wurde es immer schwieriger, nach Österreich über den Einser-Kanal zu kommen. […]“

Mann, geb. 1991, Andau

„[…] Damals hat es viel geregnet und man konnte wirklich im ‚Gatsch‘ steckenbleiben. […] Und es ist ziemlich anstrengend gewesen. […]“

J. Reeh, Andau

„[…] Über den Kanal gab es eine Brücke, die später gesprengt wurde. Dann haben sich die Flüchtlinge selbst eine Notbrücke zusammengebastelt. […]“

(K. Köttner-Benigini)
Flüchtlinge vor der gesprengten Brücke von Andau. (© Sammlung Österreichisches Bundesheer)

Flüchtlinge vor der gesprengten Brücke von Andau.
(© Sammlung Österreichisches Bundesheer)

Flüchtlinge überqueren die zerstörte Brücke. (© Josef Wally, Andau)

Flüchtlinge überqueren die zerstörte Brücke.
(© Josef Wally, Andau)

Totenbescheinigung der Gemeinde Andau (© Gemeindearchiv Andau)

Am 3. Jänner 1957 wurde Elisabeth Molnar aus Budapest beim Fluchtversuch am Einser Kanal bei Andau von Grenzsoldaten erschossen. Die Angehörigen brachten den Leichnam nach Andau, wo dieser bestattet wurde.
(© Gemeindearchiv Andau)

Medienbericht im Kurier vom 23. November 1956

Die Medien berichteten ausführlich über die Ereignisse in Ungarn und an der Grenze. Kurier vom 23. November 1956. (© Niederösterreichisches Landesarchiv)